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The Red Sea Holiday Magazine, Ausgabe67, Juli 2008

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Fischologie VI: Graue Riffhaie

von Claudio Di Manao

Carcharhinus amblyrhynchos

Ein kräftiger Bursche mit einem unfreundlichen Grinsen, der sich gegen die Strömung anschleicht und an der Kante des Satellitenriffs lauert. Warum nur kämpft er so erbittert gegen die heftige Strömung an? Will er vielleicht seine aerobe Fitness ausbauen und sein Herzkreislaufsystem stärken? Unter-Wasser-Aerobic...? Äh, nein. Vielleicht will er auch einfach überschüssige Pfunde loswerden.

Nichts davon ist richtig. Tatsächlich versucht er, Gewicht ‚zuzulegen’, indem er das tut, was die Natur für ihn vorgesehen hat: Fische fressen, die schwächer oder weniger intelligent sind als er. Er wartet dort, an der Kante des Riffs, wo sich die Strömung in heftige Wellen teilt, wie eine hungrige Katze, dass ein erschöpfter oder verirrter Beutefisch ihm ins Maul schwimmt.

Im Gegensatz zu dem, was die meisten Menschen glauben, sind Haie keine unbarmherzigen Raubtiere. Ein ausgewachsener grauer Riffhai lebt von weniger als einem Kilogramm Nahrung pro Tag. Er verbringt die meiste Zeit damit, sich am Riff herumzutreiben und nach weiblichen Haien Ausschau zu halten – sofern es sich um ein männliches Tier handelt. Die Weibchen freilich halten Ausschau nach männlichen Artgenossen. Er ist alles andere als eine blutrünstige, unersättliche Bestie.

Ein Grauer Riffhai misst durchschnittlich 2,6 Meter – alles andere als eine kleine, schüchterne Kreatur. Dass er die Gesellschaft von Tauchern meidet liegt vor allem daran, dass er nichts mit den aufsteigenden Luftbläschen zu tun haben will.

In der Paarungszeit kann der Graue Riffhai recht eifersüchtig und barsch werden. Der Hai wählt ein bestimmtes Gebiet, um das Weibchen seiner Wahl zu umwerben. Diesen Raum verteidigt er erbittert vor Eindringlingen. Wie? In dem er genau das tut, was auch eine Katze machen würde: er wölbt den Rücken, senkt die Ohren und beginnt ruckartig zu zucken. Anstelle der Ohren senkt er natürlich die Rückenflossen.

Wenn Sie zufälligerweise auf einen Hai stoßen, der sich wie oben beschrieben verhält, sollten Sie sich lieber schnell zurück ziehen ... Zwar wurde nur sehr selten berichtet, dass Graue Riffhaie Menschen angegriffen haben, doch ist es sicher nicht angenehm, einen Hieb mit dem Maul als Warnung zu kassieren…

Vor allem im Monat Mai sollte man schleunigst die Flucht ergreifen, wenn man auf einen Hai trifft, der solche Tänze aufführt – sie sind als Warnung zu interpretieren.

Als echter Feudalherr ist der Graue Riffhai seinem Terrain verpflichtet. Er überprüft permanent das von ihm auserkorene Gebiet, das meist am Rande eines Riffs in einer Tiefe von etwa 20 und 200 Metern liegt. In der Hierarchie der Haie nimmt der Graue Riffhai keinen besonders hohen Stellenwert ein, so dass sein Territorium meist nicht sehr groß ist. Aber die Grenzen sind klar abgesteckt und es ist groß genug, dass der Hai sein Verlangen nach Nahrung und weiblichen Artgenossen stillen kann.

Das Paarungsverhalten des Grauen Riffhais folgt nicht unbedingt den Prinzipen der Ritterlichkeit: ein männlicher Hai bändelt mit der von ihm Auserwählten an, indem er sie in den Nacken beisst (auch das erinnert wieder an das Verhalten von Katzen, oder?); das führt dann zu einer Art Kampf, der oft recht heftig ist. Diese wilden Auseinandersetzungen scheinen der Grund dafür zu sein, dass männliche Graue Riffhaie zwei Geschlechtsorgane haben (eines als Ersatz...!). Hierin unterscheidet sich der Grauhai von Katzen, und natürlich durch sein Verhältnis zum Wasser.

Das Grauhai-Weibchen bekommt nach einer zwölfmonatigen Schwangerschaft bis zu sieben Junge. Die Baby-Haie sind sofort nach der Geburt in der Lage, sich selbst von Tintenfischen, kleinen Fischen und Schalentieren zu ernähren. Wenn sie, etwa im Alter von sieben Jahren, ausgewachsen sind, entwickeln sie Territorialansprüche und suchen sich ihren eigenen Lebensraum. Graue Riffhaie leben, sofern sie nicht bedroht werden, bis zu 25 Jahren.

Wie alle Haie, die im Roten Meer anzutreffen sind, werden auch Graue Riffhaie geschützt: das Fischen von Haien und das Abschneiden der Flossen sind streng verboten.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um alle Leser noch einmal darauf aufmerksam zu machen, dass die Jagd auf Haie überall auf der Welt ein Ausmaß erreicht hat, das für den Fortbestand der Ökosysteme des Meeres extrem gefährlich ist. Schätzungen zufolge wurde dadurch die Anzahl der Haie in den Weltmeeren bereits um bis zu 70 Prozent reduziert.

Schwimm, Grauer, schwimm!

Hai und Barrakuda, Rotes Meer
Grauer Riffhai,
Rotes Meer
Hai, südliches ägyptisches Rotes Meer. Von Guja Tione

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